
Humanizing Data Strategy ist eine erfrischende Ergänzung der Datenliteratur. Das überrascht kaum, denn Feng selbst ist eine besondere Figur in der Datenwelt, man höre sich nur seinen Rap über Data Governance an. Gibt es einen passenderen Begriff für Menschen in der Data Governance als „Data Sherpas“?
Das Buch bietet einen frischen Blick darauf, wie Unternehmen Datenstrategien bauen und umsetzen, die nicht nur wirksam, sondern auch auf Menschen ausgerichtet sind. Feng betont, wie wichtig es ist, das Menschliche in die Datenstrategie einzubauen: Vorhaben sollen technisch solide sein und zugleich zu den Bedürfnissen, dem Verhalten und den Werten der Beteiligten passen, ob Mitarbeitende, Kundschaft oder andere Anspruchsgruppen.
Im Kern von Fengs Ansatz steht sein Modell der „5 Cs“, ein Leitfaden dafür, eine Datenstrategie menschlicher zu machen. Kurz zusammengefasst:
1. Competence, der Kern von Data Literacy: alle mit dem richtigen Wissen und den richtigen Kompetenzen ausstatten. Es geht darum, Fachleuten aus dem Business Daten beizubringen und Datenfachleuten das Geschäft. 2. Collaboration, also Transparenz, Verantwortlichkeit und gemeinsame Ziele in einer Kultur der Zusammenarbeit. 3. Communication, die Botschaft auf das Publikum zuschneiden, mit Blick auf den geschäftlichen wie den persönlichen Nutzen. 4. Creativity, ein Datenumfeld schaffen, in dem Menschen motiviert sind, besser zu werden und Neues zu wagen. 5. Conscience, kritisches Denken und menschliches Urteil fördern, damit Daten sicher, ethisch und regelkonform genutzt werden.
Zu den wertvollsten Erkenntnissen des Buchs gehören: wie wichtig bereichsübergreifende Zusammenarbeit in Datenvorhaben ist, dass Data Governance Sicherheit und Zugänglichkeit ausbalancieren muss, welchen Wert ein iteratives, agiles Vorgehen hat, welche zentrale Rolle Kommunikation spielt, um aus Erkenntnissen geschäftlichen Wert zu machen, und dass starke Datenführung mehr verlangt als technisches Können.
Bahnbrechend neu sind die Gedanken allerdings nicht. Die „5 Cs“ überschneiden sich stark mit den Kompetenzen, die es im KI-Zeitalter ohnehin braucht. Beim Lesen habe ich außerdem manchmal den roten Faden vermisst: Die Kapitel decken sehr viel ab, oft kurz und ohne klare Verbindung. Eine Zusammenfassung am Kapitelende hätte sehr geholfen.
Trotzdem bleibt das Buch für alle relevant, die mit Datenmanagement, Analytik oder Geschäftsstrategie zu tun haben. Es berührt ein breites Spektrum, das für einen wirklich menschenzentrierten Umgang mit Daten zählt: Karrierewege, Talentzyklen und die Rolle von HR ebenso wie Datenqualität, Datendemokratisierung, Ethik und Storytelling.
Besonders Kapitel 7 liefert eine brauchbare Checkliste an Fragen, mit denen Sie Ihre Datenstrategie „human-proof“ machen. Diese Fragen helfen, den Menschen nicht länger als schwächstes Glied im Umgang mit Daten zu sehen, sondern als Fundament, als den Zement Ihrer Datenstrategie. Mit KI und GenAI brauchen wir eine Datenstrategie, die nicht nur wirksam ist, sondern auch ethisch, inklusiv und klar auf die Ziele der Organisation ausgerichtet ist.

